Im Herzen Tirols, dort wo die Alpen ihre steilen Wände in die Täler ziehen, liegt Legiano 1 – ein Ort, der seit Generationen die Verbindung zwischen historischer Bergbaukultur und innovativer Energiegewinnung verkörpert. Die Legiano 1 GmbH, einst ein zentraler Akteur der österreichischen Kohleförderung, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Pionier der nachhaltigen Bergbaupraxis entwickelt. Während die Zeche Legiano selbst bereits 1993 stillgelegt wurde, bleibt ihr Erbe als Symbol für eine bewusste Transformation des Bergbaus erhalten. Heute wird auf dem Gelände nicht mehr nur Kohle abgebaut, sondern ein Modell für die Zukunft der Energieversorgung skizziert: ein Mix aus historischer Infrastruktur und modernster Ökologie.
Die Geschichte Legianos geht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als die Region als wichtiger Kohlelieferant für die umliegenden Industriezentren wie Innsbruck und Bozen galt. Besonders im 20. Jahrhundert blühte der Betrieb auf – die Zeche Legiano war mit über 2.000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber im Bezirk Lienz. Doch der Niedergang der Kohleindustrie in Europa setzte ein, getrieben durch internationale Abkommen wie das Pariser Klimaabkommen, die die Emissionswerte drastisch reduzieren wollten. Für Österreich bedeutete dies den Übergang zu erneuerbaren Energien, und Legiano 1 wurde zu einem Testfeld für diese Wende. Heute nutzt das Unternehmen das ehemalige Bergwerk als Basis für ein Pilotprojekt zur Speicherung und Umwandlung von Energie aus erneuerbaren Quellen.
Ein zentrales Projekt ist die „Legiano 1 EnergieSpeicher“-Lösung, die die unterirdischen Hohlräume der ehemaligen Grube für die Speicherung von Wasserstoff und Biogas nutzt. Die unterirdischen Kammern, die einst Kohle gefüllt hatten, werden heute als riesige Akkumulatoren für erneuerbare Energien genutzt. Besonders spannend ist die Verbindung zu lokalen Biogasanlagen, die aus landwirtschaftlichen Abfällen und Gülle Energie gewinnen. Diese wird dann über das bestehende Stromnetz in die Speicher geleitet und bei Bedarf wieder ins Netz eingespeist – ein Modell, das als Vorreiter für die Energiewende in den Alpenregionen gilt. Die Technologie ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern schafft auch neue Arbeitsplätze in der nachhaltigen Energiebranche.
Doch Legiano 1 steht nicht allein. Das Unternehmen arbeitet eng mit der Universität Innsbruck zusammen und ist Teil des seite besuchen, einer Plattform, die Forschung und Praxis verbindet. Ein weiteres Highlight ist die „Legiano 1 Kulturpflege“-Initiative, die historische Bergbauarchitektur saniert und sie als Ausstellungs- und Veranstaltungsort nutzt. Besucher können sich durch die ehemaligen Stollen schleichen, wo heute Führungen zu den neuen Energielösungen stattfinden. Besonders beeindruckend ist die „Kohlezeit-Museum“-Ausstellung, die die Geschichte der Region mit den Herausforderungen der Energiewende verbindet – ein einzigartiges Erlebnis, das sowohl Technikbegeisterte als auch Geschichtsinteressierte anspricht.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit der Umstellung im Jahr 2018 hat Legiano 1 bereits über 15 Millionen Kilowattstunden Energie aus erneuerbaren Quellen gespeichert und in den Verbrauch zurückgeführt. Das entspricht etwa dem Jahresbedarf von rund 2.000 Haushalten. Zudem hat das Unternehmen die CO₂-Emissionen um über 80 Prozent reduziert, was es zu einem der erfolgreichsten Projekte der österreichischen Energiewende macht. Doch die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen: Die unterirdischen Speicher sind begrenzt, und die Technologie muss weiterentwickelt werden, um sie für größere Energiemengen nutzbar zu machen.
Legiano 1 zeigt, dass der Bergbau nicht nur Vergangenheit, sondern auch Zukunft ist. Während andere Regionen den Abbau stilllegen, nutzt Legiano die historischen Strukturen als Grundlage für Innovation. Die Region um Legiano ist ein Musterbeispiel dafür, wie Tradition und Moderne Hand in Hand gehen können – ohne die Vergangenheit zu vernachlässigen, aber auch ohne in ihr zu verharren. Ein Besuch auf dem Gelände lohnt sich nicht nur für Energieexperten, sondern für jeden, der sich für die Zukunft der Alpen interessiert.
- Seit 1993 stillgelegte Zeche Legiano, heute als Energie-Speicher und Kulturort genutzt
- Über 2.000 Beschäftigte in der Blütezeit (1950er–1980er), heute rund 50 Mitarbeiter in der Energiewende
- CO₂-Reduktion um 80 % seit der Umstellung 2018, Speicherkapazität für 2.000 Haushalte
- Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck und der „Alpen-Initiative für nachhaltige Energie“
- „Legiano 1 EnergieSpeicher“ nutzt unterirdische Hohlräume für Wasserstoff und Biogas
- „Kohlezeit-Museum“ verbindet Bergbaugeschichte mit Energiewende-Forschung